Bio-Plastik - eine Mogelpackung

In diesem Artikel erfährst Du alles, was Du zu Hundekotbeuteln aus Bio-Plastik, bzw. biologisch abbaubaren Hundekotbeuteln.

Am Ende dieses Artikels findest Du alle Quellennachweise.

 

Bio-Plastik – die Wunderwaffe?

Immer wieder hören und lesen wir, dass Hundekotbeutel aus Bio-Plastik zu 100% aus Maisstärke sind, kein Plastik enthalten und schnell kompostieren. 

Wichtig vorab zu wissen: Hundekot muss immer verbrannt werden, da er Bakterien und Keime enthalten kann, welche andere Tiere krank machen können oder die Umwelt oder das Grundwasser belasten könne. 

Bio-Plastik, die vermeindliche Wunderwaffe gegen Plastikverschmutzung

Fangen wir vorne an. Dass Plastiktüten schlecht sind, das weiß jeder. Mit Tüten aus Bio-Plastik kam ein Versprechen, das viel halten soll.

Da Hundekot immer im Restmüll entsorgt werden soll[1], entfällt der versprochene zusätzliche Nutzen der Kompostierung, da er in der Realität nicht eintritt, bzw. eintreten darf.  

„Das ist ein Marketing-Gag der Hersteller“, sagt Klaus Maier, Sachgebietsleiter Abfallwirtschaft beim Eigenbetrieb für kommunale Aufgaben und Dienstleistungen (EAD). „Die sprechen damit das ökologische Gewissen der Kunden an und versuchen, über die Öko-Schiene mehr ihrer Produkte zu verkaufen.“[2]

Aber wie es denn nun? Mein Beutel aus Bio-Plastik kompostiert doch! Oder etwa nicht?

Das Problem bei Bio-Plastik ist, es kompostiert nicht, sondern wird bestenfalls biologisch abgebaut. Dieser feine Unterschied ist aber wichtig zu wissen!

Biologisch abbaubare Kunststoffe müssen laut Europäischer Norm EN 13432 bzw. EN 14995 innerhalb von 12 Wochen in einer Industriekompostierung zu 90% zu Wasser, Kohlendioxid und Humus abgebaut werden.[3] Wichtig zu wissen, ist dass eine industrielle Kompostierung eine Wärme von 60 Grad hat und 95% Luftfeuchtigkeit – Temperaturen, welche der heimische Kompost, bzw. der Wald, in den z.B. ein Hundekotbeutel geworfen wird, niemals hat.

Weiterhin sollte man sich fragen, weshalb der biologische Abbau nur zu 90% passieren soll und was mit den restlichen 10% passiert. Auch das ist wichtig zu verstehen, denn der Kompost kommt später auf Felder, d.h. zurück in die Natur. Und wenn nicht alles zu 100% abgebaut ist, dann bleibt schlimmstenfalls Mikroplastik über.

Im Gegensatz zu einer Kompostierung entsteht beim biologischen Abbau kein wertvoller Humus, keine Nährstoffe, keine Spurenelemente, sondern nichts![4]

Eines der Hauptprobleme: Deutsche Kompostierungsanlagen haben nicht ausreichend Zeit, um Bio-Plastik sich überhaupt biologisch abbauen zu lassen. In der Realität wird alles, was nach Plastik aussieht, im Vorfeld aussortiert und der Verbrennung zugeführt. Ein zusätzlicher Aufwand, welcher die Betreiber von Kompostierungsanlagen vor große Herausforderungen stellt.[5]

Fazit: Abgesehen davon, dass Hundekot verbrannt werden sollte, würde nicht mal theoretisch die Kompostierung von Bio-Plastik Beuteln funktionieren. D.h. sowohl aufgrund gesetzlicher Vorlagen, als auch praktischer Nachteile, wird Bio-Plastik in der Realtiät verbrannt. 

Na und, dann verbrennt mein Beutel mit Bio-Plastik eben

Spätestens jetzt lohnt sich der genaue Blick zur Zusammensetzung von Bio-Plastik Tüten.

Je nach Anbieter enthalten die Tüten aus Bio-Plastik entweder einen organischen Anteil von Zucker, Mais oder Kartoffeln.

„Meine Tüte aus Bio-Plastik enthält 100% Zucker!“

Wer das glaubt, darf gerne mal etwas Zucker im Topf erhitzen und wieder erkalten lassen. Relativ schnell merkt man, dass eine sehr feste Form entstanden ist. Bestenfalls kann man daraus noch einen Becher oder etwas ähnliches formen, von einer Tüte ist es jedoch weit entfernt. Denn eine Tüte sollte flexibel sein, weshalb ein Schmierstoff notwendig ist. Dieser Schmierstoff ist in der Regel Erdöl.

Und, tatsächlich ist der Anteil relevant, denn dieser beträgt teilweise bis zu 90%. Und, wir erinnern uns, Hundekot sollte verbrannt werden, weshalb bei einer Tüte, welche biologisch abbaubar ist, im schlimmstenfalls 90% Erdöl mit verbrennen.

Wenn man bedenkt, dass in einer Plastiktüte ca. 50ml Erdöl enthalten sind, so kommt man bei über 11 Mio. Hunden, auch bei der Verbrennung von Bio-Plastik, auf eine relevante Anzahl!

Wenigstens verbrennt dann auch ein Anteil organischer Stoffe

Und auch hier lohnt sich der zweite Blick. Denn grundsätzlich besteht eine Lebensmittelkonkurrenz. Zucker, Mais oder auch Kartoffeln sind potentielle Lebensmittel und sollten nicht zur Zusammenmischung mit Erdöl zu einer Plastiktüte werden, um damit Hundekot zu entsorgen, um später klimaschädlich verbrannt zu werden.

Lebensmittel müssen ressourcenintensiv angebaut werden. D.h. sie benötigen Dünger (welcher oftmals einen hohen Anteil Erdöl enthält und das Grundwasser schädigt), benötigen natürlich Ackerfläche und Wasser.

Ackerfläche ist im Ausland entsprechend günstiger, als in Deutschland, weshalb der Anteil von Mais (bei dem auch der Einsatz von Gentechnik aus Kostengründen nicht ausgeschlossen werden kann) und Zucker oftmals aus dem Ausland kommt.

Aber wie ist das jetzt mit der Ökobilanz? Wie ist die bei Bio-Plastik?

Die bereits genannten Faktoren sorgen dafür, dass Bio-Plastik eine genauso schlechte Ökobilanz hat, wie reguläres Plastik.[6]

Wenn man bedenkt, dass ressourcenintensiv, evtl. im Ausland, potentielle Lebensmittel angebaut werden, welche mit Erdöl und einem Gemisch aus Chemie zusammengefügt werden, damit daraus eine Bio-Plastik Tüte entsteht, welche zur Verwendung von Hundekot verwendet wird um später verbrannt zu werden, stellt sich die Frage einer sinnvollen Verwertung eigentlich gar nicht.

So sieht das übrigens auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze, denn „Hinter so genanntem "Bioplastik" verbirgt sich meist eine Mogelpackung.“[7]

Deshalb fällt auch Bio-Plastik in das geplante Verbot von Einwegplastik!

 

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[1] https://entsorgen.org/hundekot-katzenkot/

[2] https://www.echo-online.de/lokales/darmstadt/bio-kunststoff-sorgt-in-darmstadt-fur-probleme_20022987

[3] https://www.veganblatt.com/bio-plastik

[4] https://enorm-magazin.de/wirtschaft/plastik/bioplastik-kompostierbares-plastik

[5] https://www.echo-online.de/lokales/darmstadt/bio-kunststoff-sorgt-in-darmstadt-fur-probleme_20022987

[6] https://www.umweltbundesamt.de/themen/tueten-aus-bioplastik-sind-keine-alternative

[7] https://www.bmu.de/meldung/svenja-schulze-zum-geplanten-plastiktueten-verbot/

 

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